Funkkontakt mit König Hussein

Reinhard Müller aus Kitzscher plaudert über sein Hobby / Ausstellung im Heimatmuseum läuft bis 24.August Kitzscher. Mal mit einem König oder mit der Spaceshuttlemannschaft geplaudert zu haben – wer kann das schon von sich behaupten? Wer dann noch erklärt, dies von zu Hause aus getan zu haben, wird schnell als Spinner abgetan. Aber Reinhard Müller kann es sogar beweisen. Dabei ist er kein Staatsmann oder Wissenschaftler. Der 55-Jährige ist der Typ von nebenan, einer wie du und ich. Diese außergewöhnlichen Erlebnisse ermöglichte ihm sein Hobby, denn Reinhard Müller ist Amateurfunker.

Am Sonntag eröffnete in Kitzschers Heimatmuseum eine Ausstellung. Bis zum 24. August können Technikbegeisterte einen Einblick in die Welt der Amateurfunker werfen. „Es ist eine gute Tradition, hier im Museum hin und wieder interessante Hobbys unserer Bürger vorzustellen“, sagte Franz Waberzeck, Vorsitzender des Heimatvereins, während der Vernissage. Diesmal ist es der Funkamateur Reinhard Müller, der mit Exponaten und Urkunden seine eigene Historie des drahtlosen Datentransfers erzählt.
Am 13. November 1886 gelang Heinrich Rudolf Hertz erstmals die Übertragung elektromagnetischer Wellen von einem Sender zu einem Empfänger. Die Welt bog ins Zeitalter der grenzenlosen Kommunikation ein. Doch zwischen dem richtungsweisenden Experiment des Physikprofessors und Mobiltelefonen unserer Tage liegen Welten. „Das ist ein Empfänger vom Anfang der 50er Jahre. Geerbt habe ich ihn von meinem Vater, der mich mit dem Funkerbazillus infiziert hat“, erklärte Müller das größte der antik anmutenden  Geräte. Als der frühere Prozessverantwortliche im Kraftwerk Lippendorf 1977 mit seinem Hobby startete, lagen vor dem ersten Funkkontakt üblicherweise viele Stunden Bastelarbeit. Anders als heute mussten die nötigen Gerätschaften selbst gebaut werden. Leidenschaftlich erklärte er den Gästen der Ausstellungseröffnung in Fachchinesisch alle möglichen Details, redete von Wellenlängen, Schwingkreisen, Antennen, Punkten und Strichen.

Dann meinte er: “Mal sehen, ob wir eine Verbindung zustande bekommen?“ Dafür hatte er extra eine provisorische Antenne vor dem Heimatmuseum installiert und Technik mitgebracht. Es rauschte und piepte, dann fragte er nach, ob ihn jemand Hört – nichts! „Das ist der Vorführeffekt“, ärgerte sich Müller, ließ aber nicht locker. Dann endlich, die Antwort eines Italieners, kurz aber immerhin. Ob er mit dem italienischen Kollegen schon mal in Kontakt war, konnte er im Moment nicht sagen. „Ich habe rund 25000 Verbindungen in meinem Rechner gespeichert“, so Müller. Zu Hause werde er nachsehen. Wenn nicht, wird er in geraumer Zeit eine sogenannte QSL-Karte bekommen. „Das sind Bestätigungskarten, die sich die Amateurfunker gegenseitig zuschicken“, erläuterte er und zeigte ein paar Exemplare. Darunter eine von der südöstlich von Australien liegenden Macquarieinsel oder jene, die vom Kontakt mit dem Spaceshuttle Columbia zeugt. „Besonders aufregend war auch das kurze Gespräch mit König Hussein I. von Jordanien“, sagte Müller. Zum 60. Geburtstag des Regenten hatte der Kitzscheraner 30 Sekunden Funkkontakt mit ihm.

Wer auf den Geschmack gekommen sein sollte, ist im Ortsverband Borna willkommen. Müller: „Neugierige können sich jederzeit bei mir unter ........ melden.“

Jörg Reuter
(Foto mit dem Titel: „Am Funkgerät in seinem Element: Reinhard Müller.“ von Jörg Reuter aus rechtlichen Gründen vorerst weggelassen.)

Abschrift eines Artikels aus der LVZ vom 22.07.2008.

Hier noch 4 Fotos von DL8YRM

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